Leichter Grenzen setzen
Im September stand in den ABC´s in Köln und Neuss das Thema persönliche Grenzen im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um die Frage, automatisches „Ja-Sagen“ zugunsten wirklicher Wahl der Antwort zu verlernen, sondern grundsätzlich mit den eigenen Grenzen freier umgehen zu können.
Wie ist mein Bedürfnis von Nähe und Distanz? Eine einfache Übung, in der jemand auf uns zugeht und wir bestimmen, wann er anhalten soll, verdeutlichte nicht nur sehr individuelle Distanzzonen. Es machte außerdem einen Unterschied, aus welcher Richtung sich jemand nähert, mit welcher Geschwindigkeit er auf uns zukommt, wie die Haltung ist. Durch ein deutliches „Stop“ Signal setzten wir klare Grenzen, die jedes Gegenüber akzeptierte. Dieses Spiel brachte den Teilnehmer ganz neue Ideen zum Thema „Grenzen“, da auch hier die Überlegungen

• Wer ist mein Gegenüber (Macht, Gleichberechtigt)
• Wie verhält es sich (Strategien)
• Was sind die Auswirkungen meines/seines Verhaltens (Abweisung, Einladung)

auf einer anderen Ebene Wirkung zeigten.

Eine gute Ergänzung zu den übrigen Überlegungen: Welche Vorteile bringt es, gerne und schnell „Ja“ zu sagen? Dabei entdecken wir verschiedene Gemeinsamkeiten, zum Beispiel das Hilfsbereitschaft ein wichtiger Wert ist und hilfsbereites Verhalten auch belohnt wird oder in unserer Kindheit belohnt wurde. Das wir es verlernt, unsere eigenen Bedürfnisse als erstes zu prüfen. Dieses Prüfen ist jedoch der erste wichtige Schritt, vom Automatismus „Ja“ zu einer wirklichen Entscheidung zu kommen. Dazu ist es hilfreich, sich Zeit zu lassen und dem Gegenüber dies klar zu machen. Verschiedene Arten, dies auszudrücken sind:

1. Vielleicht später.
2. Das geht leider nicht, weil ich dann andere Dinge vernachlässigen müsste, die mir auch wichtig sind.
3. Nein, das passt gerade gar nicht rein.
4. Sei nicht böse, aber ich habe gerade zu viel anderes um die Ohren.
5. Mmmh, vielleicht später.
6. Kannst du mich nachher noch mal fragen?
7. Ich kann das gerade nicht entscheiden.
8. Ich überlege es mir.
9. Nein, ich möchte das nicht (und will mich deswegen auch nicht rechtfertigen).
10. Danke, aber andere Sachen sind mir gerade wichtiger.
11. Ich kann dir leider gerade nicht helfen, weil …
12. Sandwich-Methode anwenden: Ich freue mich, dass Du… Gerade bin ich mit … beschäftigt… Schön, wenn es ein anderes Mal klappt…

Häufig befürchten wir, dass wir die Beziehung zu einem anderen Menschen gefährden, wenn wir eine Bitte ablehnen. Eine Bitte ist zunächst einfach eine Bitte, kein Befehl. Daher ist es legitim, sie abzulehnen oder sie zu erfüllen. Um dem anderen deutlich zu machen, dass wir ihn oder sie wahrnehmen, müssen wir in Kontakt gehen: Blickkontakt, körperliche Hinwendung, Nennen des Namens sind Signale, die deutlich machen, „ich bin bei Dir, auch wenn ich gerade Deinen Wunsch nicht erfüllen kann“.
Die Teilnehmer berichten, dass es Unterschiede gibt, wem gegenüber sie gut auf ihre eigenen Bedürfnisse achten können und wem nicht. Vor allem Familienangehörige machen einem das Leben hier oft schwer, über Jahre hinweg eingeprobte Verhaltensweisen und Muster reagieren sehr empfindlich auf Änderungen. Der Wunsch eines Familienmitglieds, mehr auf sich zu achten, wird häufig als Affront empfunden. Meist dauert es eine längere Zeit, familiäre Beziehungen neu auszurichten, manchmal gelingt das auch gar nicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich als Erwachsener selbst in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen.

Ein interessanter weiterer Aspekt ist das Betrachten der Strategien der „Bittsteller“, die uns immer wieder zu einem Tun bewegen, das wir nicht wollen. „Sie können das doch so gut“, „ich weiß gar nicht, wie ich das ohne dich machen würde“, „Sie kommen doch sowieso gleich noch an der Post vorbei, da können Sie in einem…“ sind Sätze, die uns suggerieren, das es keine bessere Lösung gibt als das wir etwas tun. Einmal darauf aufmerksam geworden, können wir die Strategie in Zukunft schneller erkennen und einmal anders reagieren.

Viel Vergnügen beim Ausprobieren!